Seit mehr als zehn Jahren wird über den Sänger, Songwriter, Firmeninhaber, Mitbegründer der Söhne Mannheims, Mitglied der Brothers Keepers, Autonarr und Dozent an der Popakademie Xavier Naidoo immer wieder rege diskutiert. In den Medien, in unterschiedlichen Foren und auch mal im heimischen Wohnzimmer treffen Fans und Kritiker zum Schlagabtausch aufeinander. Dabei reicht die Alterspalette vom Teenager bis zu den Großeltern. Und wollte man versuchen, diese Gruppe zahlenmäßig zu benennen, müsste man wohl die Hilfe eines Marktforschungsinstituts in Anspruch nehmen. Aber was ist es, das eine solche Faszination bei so vielen unterschiedlichen Menschen jeden Alters auslöst, wenn es um den Mannheimer geht?
Vielleicht findet sich eine Begründung bei einem Blick auf seine Persönlichkeit. Sein Privatleben ist das, was das Wort beinhaltet, "privates Leben", und dies stellt er nun mal nicht ins Rampenlicht. Sein Glaube an Gott, den viele mit Religiosität oder Kirchengläubigkeit gleichsetzen, sorgte für so manches Vorurteil. Dass er aber die Dogmen der Kirchen ablehnt (und dies auch durchaus in seinen Songs zu hören ist), scheinen die Kritiker dabei zu übersehen. Er hat keine Ambitionen in ganz Europa bekannt zu sein, denn mit dem, was er im deutschsprachigen Raum erreicht hat, ist er völlig zufrieden. Aus seinem Faible für Autos macht er kein Geheimnis, und da dabei hin und wieder mal der Führerschein wackelt, ist er auch mal aufs Wohnmobil umgestiegen, sozusagen bewusstes Tempolimit. Ansonsten fährt er sowohl Roller als auch Fahrrad. Und wenn er eine hätte, würde er auch bei einer Rikscha in die Pedale treten, denn dieses Fortbewegungsmittel fasziniert ihn. Gemeinschaftliches Denken und Teamgeist sind ihm wichtig und dass ein starker Zusammenhalt notwendig ist, um Pläne umzusetzen, hat er durch sein Engagement für seine Heimatstadt eindrucksvoll bewiesen. Doch er hat auch gelernt, mal nein zu sagen, wenn es um wirtschaftliche und firmenspezifische Entscheidungen geht, da er sich seiner Verantwortung als Arbeitgeber durchaus bewusst ist. Bei aller Disziplin mag er jedoch auch das Unmittelbare, das Umsetzen einer Idee ohne Termindruck. So taucht er manches Mal irgendwo auf und spielt ein kostenloses Spontankonzert, ganz ohne vorherige Ankündigung.
Ein weiterer Aspekt ist wohl die Musik. Mit seinen Texten berührt er die unterschiedlichsten Gefühle, verleiht einer Szene immer den richtigen Ton, und seine Songs ziehen Menschen in ihren Bann. Sei es durch die Griffigkeit eines Refrains oder das musikalische Skizzieren einer Situation. Seine deutsche Grammatik mag dabei vielleicht so manchem Lehrer Kopfschmerzen bereiten, doch das, was er zu sagen hat, ist durch seine Wortwahl leicht verständlich und treffend. Sein musikalisches Verständnis lässt sich wohl am besten mit einem Zitat von Mozart erklären: "das Notwendigste und das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". Als "Sammler" von Beats, die letztendlich "tonangebend" für seine Songs sind, nuanciert auch er dadurch die Stimmungen in seinen Kompositionen. Berührungsängste kennt er dabei nicht, denn er macht keine Trennungen innerhalb der unterschiedlichen musikalischen Genres. Für ihn ist eben alles Musik.
Xavier Naidoo's Karriere ist der Beweis, dass man mit einem Ziel vor Augen und authentischer Individualität sehr viel erreichen kann. Dazu muss man sich nicht verbiegen lassen, um anderen zu gefallen und keine Kompromisse machen, die man hinterher nicht trägt. Menschlichkeit, Natürlichkeit und Selbstdisziplin gehören ebenso dazu wie der kindliche Elan und die große Freude an der Arbeit. Eine einmalige Kreativität, ein naturgegebenes Gesangstalent und die Liebe zur Musik haben ihn dahin gebracht, wo er heute steht. Ganz oben und dennoch mit beiden Beinen fest auf dem Boden.















